Zusammenfassung des Erasmus+ Projektes „Europa Natürlich!“

 

Das Projekt „Europa Natürlich! Wald und Meer – Vielfalt und Verantwortung“ ist aus der Identifikation der beteiligten Schulen mit ihrem direkten Umfeld entstanden. Die KGS Waldschule Schwanewede liegt am Forstwald, dem sie auch ihren Namen verdankt und das Collège Gran Man Difou in Maripasoula mitten im Regenwald.

In Französisch-Guayana sind die Ökosysteme Wald und Meer durch die Mangroven untrennbar miteinander verbunden, das nördliche Niedersachsen ist durch die Nähe zur Nordsee geprägt. Sowohl die Wälder als auch das Meer sind durch menschliches Einwirken in beiden Ländern empfindlich bedroht. So liegt es im Interesse beider Schulgemeinschaften, sich in einem europäischen Projekt zu engagieren, das Wald und Meer in den Fokus nimmt und den Schutz dieser Ökosysteme zum Ziel hat.

Unser Hauptziel ist, die SuS zu motivieren, engagierte Akteure im Umwelt- und Klimaschutz zu werden. Dieses Projekt stärkt zudem das europäische Gemeinschaftsgefühl, fördert kritisches Denken im europäischen Kontext und eröffnet realistische Handlungsperspektiven in Europa. Wir unterstützen die SuS bei der Entwicklung von Schlüsselkompetenzen wie Kommunikationstechniken, Methodenkompetenz wie Recherchemethoden und Präsentationstechniken sowie naturwissenschaftliche Untersuchungsmethoden. Bei der internationalen Teamarbeit werden Fremdsprachenkenntnisse angewandt und erweitert, Offenheit und Toleranz geübt und das europäische Bewusstsein aller Teilnehmer gestärkt.

An dem Projekt nehmen insgesamt ca. 27 SuS aus Schwanewede und Maripasoula teil. Die Herkunft dieser Kinder könnte vielfältiger nicht sein was Kulturen, Muttersprachen, Religionen, familiäre und finanzielle Hintergründe und Bildungschancen angeht. Wir möchten mit diesem Projekt alle Benachteiligungen überwinden und den SuS Zukunftsperspektiven in Europa eröffnen. Die SuS erfahren, dass auch Kinder aus dem unbedeutenden Schwanewede, dem entlegenen Maripasoula oder gar aus einem abgeschiedenen Dorf Haut Maroni EU-Bürger mit einer Stimme sind und engagieren sich für Umweltschutz in Europa. Methodisch geben wir den SuS zunächst Gelegenheit in Theorie und Praxis naturwissenschaftliches Arbeiten zu erlernen und naturwissenschaftliche Zusammenhänge zu verstehen, z.B. zwischen Atlantik und Nordsee als gemeinsames Ökosystem, die besondere Bedeutung der Mangrovenwälder für den CO2-Kreislauf und die Einzigartigkeit des norddeutschen Wattenmeers. Die SuS wissen, dass Wälder die Lunge unserer Erde sind und vergleichen die Artenvielfalt des tropischen Regenwaldes mit der des europäischen Mischwaldes. Sie verstehen, wie wichtig der Regenwald für unser Klima ist und können die Gefahren von Rodungen und der Ausrottung von Tierarten einordnen.

Da die SuS noch sehr jung sind, erfolgt diese Arbeit weitestgehend handlungsorientiert. Die SuS besuchen sowohl Orte, wo die Natur gefährdet ist als auch Orte, wo erfolgreich Natur- und Artenschutz praktiziert wird oder wo Menschen sogar im völligen Einklang mit der Natur leben. Sie sammeln Informationen und Material für eine Ausstellung und führen Interviews zu Europa und Umweltschutz mit den Menschen, denen sie begegnen. Die SuS erkennen die Notwendigkeit, die Natur zu erhalten und vor weiterer Zerstörung durch den Menschen zu schützen. In Arbeitsgemeinschaften wird gemeinsames Handeln auf Grundlage eines gesamteuropäischen Verantwortungsgefühls initiiert. Die SuS entwickeln Ideen zur Informationsweitergabe, zum aktiven Umwelt- und Artenschutz und zur Nachhaltigkeit. Außerdem nehmen die SuS Kontakt auf zu NGO’s wie Greenpeace, BUND und NABU, um sich über Mitmachaktionen zum Umwelt-, Arten- und Klimaschutz zu informieren. Durch die gemeinsamen Aktionen wird demokratisches Handeln und aktive EU-Bürgerschaft gefördert. Die SuS drehen einen Motivationsfilm für Schüleraustäusche, gestalten ein Informationsleaflet über das Projekt und erarbeiten eine Ausstellung über die europäische Vielfalt in Wald und Meer für den Klima-Tag 2021 in Schwanewede / die <<Fête des Sciences>> in Maripasoula. Die Auswertung der international geführten Interviews (s.o.) mündet in einer Präsentation der Ergebnisse am Europa-Tag 2021. Die SuS initiieren schließlich eine Aktion zum Umwelt- bzw. Klimaschutz an beiden Schulen.

Wir wollen das Europa- und das Umwelt-Profil beider Schulen stärken, indem die Themen des Projektes durch die Fachkonferenzen Eingang in die schulinternen Curricula der o.g. Fächer und damit in den Unterrichtsalltag finden. Dies entspricht auch dem Bestreben, die „17 Ziele zur Nachhaltigen Entwicklung“ in den Schulen zu verankern. Bei den teilnehmenden SuS erwarten wir nicht nur fachlichen Lernzuwachs und ein gesteigertes Interesse an Naturwissenschaften, Europapolitik, und Fremdsprachenlernen, sondern nach der Erfahrung internationaler Teamarbeit an einem bedeutungsvollen Projekt eine starke Persönlichkeitsentwicklung, mehr Selbstbewusstsein und eine gesteigerte Bereitschaft, sich für ihre Ziele in Europa stark zu machen und als mündige Bürger zu agieren.

Text: C. Steinwender-Haß