Waldschüler präsentieren Projekte

Nachhaltigkeit steht im Vordergrund

Alexander Bösch

Mit Kindern Jutetaschen basteln, die Renaturierung der Beeke dokumentieren, den Schulgarten umgestalten oder Neuzugängen den Übergang in die neue Schule erleichtern: Bei der großen ­Abiturientenmesse präsentieren Waldschüler am Dienstag, 7. März, die Früchte ihrer Arbeit. 

Buchsbäume, Immergrün, Tulpen und 5000 Liter
Rindenmulch kommen in den Schulgarten, den der
17-jährige Leon Humborg und sein Team als
Projektarbeit neu gestaltet. (Christian Kosak)

Innerhalb des Seminarfachs wurde in den vergangenen Monaten an elf Projekten mit verschiedensten Schwerpunkten gearbeitet. „Am Dienstag schauen sich die zuständigen Lehrer die Ergebnisse an. Dann werden auch die Noten vergeben, das ist ja abiturrelevant“, sagt Asli Bekmezci vom Organisationsteam. Auch die Schüler des zehnten und elften Jahrgangs sollen sich bei der Projektmesse ein Bild von der Arbeit der Zwölftklässler machen. Schließlich sind sie es, die im Jahr beziehungsweise in zwei Jahren darauf innerhalb des Seminarfachs ähnlich interessante, möglichst nachhaltige Projekte durchführen müssen.Bis zum letzten Tag wird gewerkelt, werden Schaukästen bestückt, Stellwände aufgestellt, Infotafeln gefertigt. Im Oberstufenflur legt ein Team gerade letzte Hand an. „Wir haben schon in den Weihnachtsferien den Flur gestrichen. Jetzt hängen wir noch einige Bilder um, die wurden irgendwann mal von einem elften Jahrgang gemalt“, erzählt ein Schüler. Im Nebenzimmer berät sich eine andere Gruppe. Für künftige Schulabgänger hat das Team einen umfangreichen Flyer entwickelt, der den Alltag ins Berufsleben erleichtern soll. Vom BAFÖG-Antrag über Informationen zum Dualen Studium bis hin zu erwarteter Kosten für eine eigene Wohnung und der Erstellung eines effizienten Haushaltsplanes für junge Studenten reichen die Aspekte.

Stellwände und Tische für die Messe

Christin Köpke und Anke Jargon koordinieren die Projektmesse, mit der das praxisbezogene Seminarfach der zwölften Klasse traditionell an der Waldschule endet. Die beiden Lehrerinnen lassen sich von dem Organisations-Team auf den aktuellen Stand bringen. Melina Wilke, Annabelle Albrecht, Torsten Trappe und Anna Brützel haben in Absprache mit dem Hausmeister geeignete Räume mit der entsprechenden Anzahl von Tischen organisiert, Stellwände besorgt und Stromquellen für Beamer aufgetan. Einen Koffer für chemische Analysen präsentiert eine Gruppe, die sich mit der Renaturierung der Beeke befasst, die kürzlich von der Gemeinde verschoben wurde. „Die Teilnehmer haben Wasserproben auf den Nitrat- und Eisengehalt oder auf Plastikreste hin analysiert und dokumentieren, wie sich das Düngeverhalten bei der landwirtschaftlichen Nutzung auf den Ph-Wert auswirkt“, erklärt Anke Jargon.

Waldschüler aus Schwanewede bereiten die Schulmesse vor (Christian Kosak)

Die Fachbereichsleiterin für Naturwissenschaften hofft, dass die Gruppe auch in der Beeke aufgespürte Kleinstlebewesen wie Bachflohkrebse präsentiert. Zweimal trafen sich die Schüler mit Vertretern der BioS (Biologische Station Osterholz). Beeindruckt zeigen sich Anke Jargon und Christin Köpke von der Aktion „Mund auf, Keks rein, Spender sein!“ Eine Gruppe hatte dafür an allen drei Tagen des Schwaneweder Weihnachtsmarktes selbst gebackene Kekse und selbst gemachte Marmelade an den Mann beziehungsweise an spendierwillige Besucher gebracht. Stolze 3000 Euro kamen für die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) zusammen. „Immer wenn 40 Euro zusammenkamen, haben die Schüler symbolisch die Zeichnung eines Krebses durchgestrichen. Genau so viel kostet nämlich eine Typisierung“, erklärt Christin Köpke. Ein ortsansässiger Bäcker hatte dafür große Mengen an Teig gespendet.Bei einem Workshop brachten die Seminarfachteilnehmer den Mitwirkenden der Schülerzeitung AG der fünften bis siebten Klassen die gute alte Tradition der Schülerzeitung näher. „Sie sind mit den Nachwuchsjournalisten Interviewtechniken und Recherchemethoden durchgegangen. Mit diesem Wissen ausgestattet, haben die Schüler dann unseren Hausmeister und Mitarbeiter der Mensa und Bücherei interviewt“, verrät Christin Köpke. Erscheinen soll die noch namenlose Zeitung ausschließlich online.Für den „Willkommensflur“ wurde ein Konzept entwickelt, bei dem die bisherige Fotowand, die die Lehrkräfte der Wald­schule zeigt, neu gestaltet wurde. Der sogenannte Verwaltungsflur wurde dabei gleich neu gestrichen. Jede Menge Spaß hatten Kinder eines Kindergartens in Neuenkirchen. ­Dinge ertasten und mit verbundenen Augen Nahrungsmittel zu „erschmecken“ gehörte zu den Spielen der Gruppe „Soziales im Kindergarten“. Vor allem Seminarfachschüler, die sich eine Ausbildung im pädagogischen Bereich vorstellen können, hatten sich für diese Art der „direkten Tuchfühlung“ mit den Kindern entschieden.

Schüler haben sich in den vergangenen Monaten ab elf Projekten gearbeitet. (Christian Kosak)

Beim Projekt „Jutetaschen basteln in der Grundschule“ wurden Dreienkampschüler in einem Vortrag über die Gefahren von ­Plastikmüll informiert. Mit dem späteren ­Nähen von Jutetaschen unter Aufsicht setzten die Teilnehmer eine gute alte Tradition der Waldschule fort. Unter dem Motto „Jute statt Plastik“ war in der Bücherei der Wald­schule schon 1980 die damals brandneue Tragetaschenalternative käuflich zu erwerben.Das Jugendfreizeitheim Neuenkirchen freute sich unterdessen über eine von Schülerhand kreierte neue Mosaikwand aus Fliesen. Bei einem Infoflyer für die fünften Klassen galt es, den Waldschülern von morgen Schwellenängste zu nehmen. „Wir haben uns überlegt, dass aus den kleineren Dorfschulen jedes Jahr viele Kinder in die Waldschule kommen, und dass einige vielleicht Angst haben, was sie erwartet“, erklärt Annabelle Albrecht. Eine 16-seitige Broschüre soll entsprechend Abhilfe schaffen. Von einer kindgerechten Einführung zu neuen Fächern wie Physik und Chemie bis zum Lageplan der Gebäude reicht die Informationsvielfalt. Geplant ist eine Startauflage von 250 Exemplaren.Im Schulgarten schuften unterdessen Leon Humborg, Keno Nielsen, Abdulaziz Saleh und Torben Grzeschik. „Hier war alles zuge­wachsen mit Brennnesseln, das haben wir in den Herbstferien erst mal alles rausgerissen“, berichtet der 17-jährige Leon Humborg. Unkraut-Vlies sorgte dafür, dass ­keine Brennnesseln nachwuchsen. Insgesamt 5000 Liter Rindenmulch wurden mit Anhängern und Schubkarren herbeigeschafft, die als genügsam geltenden Buchsbäume, Immergrün und Tulpen angepflanzt. Das ­Thema Nachhaltigkeit, das sämtliche Projekte der Abiturentenmesse durchzieht, spielt auch beim Schulgarten eine Rolle. „Wir werden natürlich auch, wenn wir die Schule verlassen haben, noch mal vorbeischauen, ob hier alles in guter Pflege weiter gedeiht“, so Leon Humborg.

DIE NORDDEUTSCHE, 06.03.2017