Ein Teamplayer

Gabriele Keller
Schwanewede. In seinem Büro hat Eugen Kolodziej ein Plakat aufgehängt. Es zeigt eine siegreiche Rugby-Mannschaft. Ein Pulk von Spielern stützt einen der ihren, der freudestrahlend den Ball im Arm hält. „Teamwork“ steht drüber.

Eugen Kolodziej ist der neue Leiter der Waldschule.
Ein Jahr lang war die Stelle vakant, bevor sie Anfang
dieses Monats neu besetzt wurde. (Gabriela Keller)
 

Das Bild in seinem Dienstzimmer sagt viel darüber aus, wie der 52-Jährige die ihm frisch anvertraute Aufgabe als Leiter der Waldschule Schwanewede sieht. Der neue Rektor versteht sich als Teamplayer im Zusammenspiel von Schulleitung, Kollegium und Schülern. „Wir müssen gemeinsam überlegen, in welche Richtung sich die Waldschule entwickeln soll“, sagt Kolodziej.

Seit 1. Februar ist er Teil der Mannschaft an der Waldschule. Die ersten zwei Wochen im Amt hat er genutzt, „um zu lernen, wie diese Schule funktioniert“. Das Modell Kooperative Gesamtschule (KGS) ist dem Neuen zwar vertraut. Bis zum Wechsel nach Schwanewede war er sechseinhalb Jahre an der Kooperativen Gesamtschule in Tarmstedt tätig, zunächst als didaktischer Leiter und die letzten zweieinhalb Jahre als stellvertretender Schulleiter.

Doch KGS ist nicht gleich KGS. Kolodziej kommt von einer Schule, in der Klassen schulzweigübergreifend gebildet werden. Haupt- und Realschüler sowie Gymnasiasten eines Jahrgangs lernen gemeinsam in Kursen. Anders in Schwanewede. „Hier erfolgt die Klassenbildung weitestgehend in den jeweiligen Schulzweigen. Schulzweigübergreifende Kurse gibt es im musisch-kulturellen Bereich und im Sport“, macht der neue Rektor auf einen Unterschied aufmerksam.

In Tarmstedt lenkte Kolodziej seit Juli 2014 als Stellvertreter zusammen mit dem Schulleiter die Geschicke einer Schule mit 1150 Lehrern und rund 105 Schülern. In Schwanewede gibt es für ihn noch ein bisschen mehr zu verwalten. Der Einsatz von 130 Kollegen ist zu organisieren, die Unterrichtsversorgung für 1350 Schüler sicherzustellen. Da bleibt nicht viel Zeit für den eigenen Unterricht. „Zwei Stunden in der Woche unterrichte ich in einer fünften Klasse Biologie“, erzählt der Schulleiter. Ihm seien diese Stunden wichtig, „um noch einen Fuß in der Klasse zu haben“.

Was nicht heißt, dass sich der Rektor ansonsten in seinem Büro verkriecht. „Ich möchte einen möglichst engen Kontakt zu den Schülern aufbauen“, sagt Kolodziej. Er sei gerne in der Pause auf dem Schulhof unterwegs und spreche mit den Schülern. „Da sein, hinhören und hinschauen“ – das ist seine Devise. 

Befragt nach seinem Ziel als Schulleiter in Schwanewede, lautet die Antwort: „Ich möchte gute Schule machen, zusammen mit den Kollegen und den Schülern.“ Der einzelne Schüler müsse mit seinen Stärken und Schwächen in den Blick genommen werden. Bildung umfasst für den 52-Jährigen dabei mehr als nur die Vermittlung von Wissen. Kolodziej geht es auch um soziale Werte, das Miteinander unter Schülern sowie zwischen Schülern und Lehrern. „Wir müssen lernen, den anderen zu respektieren und wertzuschätzen.“

In einer Gesamtschule kann das nach Ansicht von Kolodziej am ehesten gelingen. „Nur hier können alle Schüler an einem Ort gemeinsam leben und lernen. Dieses Miteinander stärkt die Persönlichkeit der Schüler.“ Was ihn an der Schulform noch überzeugt: „Sie versucht, allen Schülern gerecht zu werden.“ Kolodziej hat im Lauf seines beruflichen Werdeganges an einigen Gesamtschulen Erfahrungen gesammelt. In Bremen studierte er Lehramt mit den Fächern Biologie und Chemie, seine Referendarzeit absolvierte er an der Sekundarstufe II am Schulzentrum Eggestedter Straße und am gymnasialen Zweig des Schulzentrums In den Sandwehen in Bremen-Blumenthal.

Von 2000 bis 2008 unterrichtete er an der Gesamtschule Bremen-West, hier war er auch Fachsprecher für Neue Technologien. Es folgten zwei Jahre an der Gesamtschule Bremen-Mitte. Als Jahrgangsleiter war Kolodziej dort für die Klassen fünf bis sieben zuständig, darüber hinaus war er ein Mitglied der Schulleitung. Im August 2010 wechselte Kolodziej an die KGS Tarmstedt. An dieser Schule war er anfangs als didaktischer Leiter verantwortlich für Differenzierungsmodelle, Förderkonzepte sowie die Koordination des fächer- und schulzweigübergreifenden Unterrichts. 2011 übernahm er zunächst kommissarisch, im Juli 2014 dann offiziell den Posten des stellvertretenden Schulleiters.

Nun ist Eugen Kolodziej an der Waldschule in Schwanewede angekommen. Die Offenheit an der Schule sei ihm sofort positiv aufgefallen, erzählt der neue Rektor. „Schüler haben mir in den ersten Tagen geholfen, mich in dem großen Gebäudekomplex zurechtzufinden. Von Lehrerkollegen bin ich spontan eingeladen worden, ihren Unterricht zu besuchen. Das fand ich toll.“ Der neue Schulleiter wohnt mit seiner Familie in Worphausen. Vor ein paar Jahren hat er dort ein Häuschen gebaut. Einen Umzug nach Schwanewede plant er vorerst nicht.

„Da sein, hinhören und hinschauen – das ist meine Devise.“ Eugen Kolodziej

DIE NORDDEUTSCHE, 15.02.2017