Einsatz für die Natur

Zum sechsten Mal in Folge: Jury verleiht Waldschule den Titel „Umweltschule in Europa“

Alexander Bösch
Vegesack. Ein Bilderbuch zum Thema Müllvermeidung und ein engagiert bewirtschafteter Schulgarten: Für diese Projekte ist die Waldschule in diesem Jahr erneut als „Umweltschule in Europa / Internationale Agenda-21-Schule“ ausgezeichnet worden. Bereits im sechsten Jahr in Folge wurden die jungen Vertreter der Waldschule im Freilichtmuseum Kiekeberg in der Nähe von Hamburg für ihre Arbeit geehrt.

Die Waldschule zeigt Flagge: Jugendliche und
Lehrer freuen sich über die Auszeichnung.

Seit 21 Jahren nutzen Schulen in Niedersachsen die Gelegenheit, sich mit der Teilnahme ein zukunftsorientiertes Profil im Sinn der Agenda 21 zu geben. Niedersachsenweit nehmen 340, bundesweit 700 Schulen teil. „Für jeden Projektzeitraum müssen jeweils zwei Projekte eingereicht werden. Statt wie bisher zwei Jahre haben wir für unser nächstes Projekt drei Jahre Zeit“, erläutert Koordinatorin Anke Jargon.

Mit der Gewässeranalyse vor der geplanten Renaturierung der Beeke haben sich die Schüler schließlich ein Projekt vorgenommen, das ein wenig zeitintensiver werden dürfte. Vor Kurzem nahm eine Gruppe von Waldschülern gemeinsam mit der BioS Osterholz an einigen ausgewählten Wiesen eine Tier- und Pflanzenbestimmung vor. „Die Schüler haben Bachflohkrebse, Wasserasseln, Egel und diverse Insekten entdeckt“, erzählt Anke Jargon über das Projekt, mit dem sich die jungen Forscher nun noch bis 2019 beschäftigen können.

Waldschule bekommt zum sechsten Mal Auszeichnung
als „Umweltschule in Europa“ (Alexander Bösch)

Bei den beiden ausgewählten Themen steht der nachhaltige Umgang mit der eigenen Lebenswelt und der Blick auf die zur Verfügung stehenden Ressourcen im Mittelpunkt. Zu den thematischen Bereichen gehören Aspekte wie Abfall, Wasser, Naturschutz, Biodiversität, gesunde Ernährung, Kunst und Ökologie und auch die ökologische Gestaltung des Schulgeländes.

Während das Beeke-Projekt erst in den kommenden Jahren realisiert wird, haben die Schüler ihre sechste Auszeichnung als „Umweltschule Europa“ für zwei andere Ideen erhalten. Neben dem Anlegen des Schulgartens handelt es sich um ein Kinderbuchprojekt, das sich mit Müllvermeidung auseinandersetzt. Emely Klenner und Chevvanthi Siranathan gehören zu der Gruppe. „Wir fanden die Idee toll, ein Buch für Kinder zu schreiben, in dem wir darauf aufmerksam machen, was Tieren durch unachtsam weggeschmissenen Müll passieren kann“, erzählt Chevvanthi Siranathan. Das mit zahlreichen Illustrationen versehene Bilderbuch heißt „Die Möwe Mika auf Müllmission“.

Zum Inhalt: Möwe Mika wird von einer Schülerin geholfen, die gerade auf dem Weg in die Schule ist. Sie findet den Vogel, der sich mit dem Flügel in einer Plastiktüte verheddert hat und nicht mehr freikommt. Zunächst zögert die Schülerin. „Doch dann wurde mir klar, dass es sich hierbei immerhin um ein lebendiges Tier handelte und dass die Möwe ja nun wirklich nichts dafür konnte, dass mal wieder irgend so ein Trottel hier eine Tüte liegen gelassen hatte“, heißt es in dem Text. Geschrieben hat ihn Lukas Nettelmann. Nach ihrer Rettung hilft die Möwe diversen Tieren, die sich wegen der Nachlässigkeit der Menschen in Gefahr befinden.

Auch einer Robbe, die Gefahr läuft, sich mit einem Plastikring zu strangulieren, kann die umsichtige Möwe helfen. „Wir wollen das Buch in den vierten Klassen der Heideschule und in den sechsten Klassen der Waldschule vorstellen. Jeder Schüler soll etwas über die bedrohten Lebensbedingungen eines der Tiere erarbeiten“, erläutert Emely Klenner. Das Bilderbuch wurde von den Oberstufenschülern erarbeitet. Die Fächer Deutsch, Kunst, Erdkunde und Biologie wurden bei der Verwirklichung des Projekts miteinander verbunden.

In der Schulgarten AG von Andrea Lemke geht es da etwas praktischer zu. Hier werkeln, gießen und pflanzen auch Kinder mit besonderem Förderbedarf und aus Flüchtlingsfamilien. Im Rahmen von Pflanzaktionen auf dem Schulhof wurden heimische Sträucher gesetzt, die als Insektenfuttersträucher dienen und die Artenvielfalt auf dem Schulhof erhöht haben. Beim Anlegen einer Kräuterspirale wurden sich die Schüler der Bedeutung der einzelnen Kräuter in der Küche und als Heilpflanzen bewusst. „Man legt spiralförmig ein Beet an und pflanzt die Kräuter so, dass oben die Pflanzen sind, die trockenere Standorte brauchen, etwa Oregano, Salbei und Tymian“, erläutert Andrea Lemke. Weiter unten werden dann Zitronenmelisse, Minze und Waldmeister gepflanzt. In einem Apfelbaum hängen mehrere Vogelhäuser und ein Insektenhotel.

Die AG war auch in Sachen ökologischer Gemüseanbau fleißig. Das Gemüse wurde eigenhändig ausgesät, gepflanzt, gewässert, geerntet und zu Gerichten verarbeitet. Die Bepflanzung eines Kletterbohnentipis wurde im Biologieunterricht beim Thema „Quellung, Keimung, Wachstum“ aufgegriffen. „Leider haben die Schnecken viel weggefressen“, bedauert Angela Lemke. Vor allem das Abernten eines kleinen Kartoffelbeets macht den Schülern Spaß. „Einmal haben wir Chips aus den Kartoffeln gemacht, das war lecker“, sagt ein Schüler. Nachdem man im Jahr zuvor „kreuz und quer“ gepflanzt und entsprechend schlechte Erfahrungen gemacht habe, habe man diesmal den Bereich gut markiert.

Neben dem Projekt zur Beeke-Renaturierung plant Koordinatorin Anke Jargon für die nächste „Umweltschule in Europa“-Periode den Klimatag der Waldschule als Projekt einzureichen.

„Wir fanden die Idee toll, ein Buch für Kinder zu schreiben.“ Chevvanthi Siranathan, Waldschule

Die Norddeutsche, 12.11.2016