Messe für Schüler

Abiturjahrgang der Schwaneweder Waldschule stellt seine Seminarfacharbeiten vor

Ulf Buschmann 05.03.2016

Es gibt Weihnachtsgebäck, syrischen Zitronenkuchen und Weihnachtstee, und die Adventsdekoration fehlt natürlich auch nicht. Was im ersten Augenblick merkwürdig anmutet, macht Sinn. Zumindest für 90 Minuten. Das verfrühte Einstimmen auf das nächste Weihnachtsfest ist der Inhalt einer Seminarfacharbeit, die inzwischen ein wichtiger Bestandteil der Abiturnote ist. Ihre Noten werden die Schülerinnen erst am Ende des Schuljahres erfahren. Was sie in den vergangenen Wochen bewegt hat, konnten Interessierte jetzt erfragen. „Advent in der Sprachlernklasse“ ist eins von insgesamt 14 Projekten der Waldschule Schwanewede.
Waldschule Schwanewede Messe Seminarfachprojekte (Christian Kosak)

Erstmals hat der Abiturjahrgang der Schwaneweder Waldschule am Donnerstag seine Ideen auf einer kleinen Messe präsentiert. Es sind gemeinnützige und soziale Arbeiten sowie Imageprojekte für die Schule. Das alles haben die Schüler alleine auf die Beine gestellt. Zielgruppen sind die Jahrgänge 10 und 11. Sie sollen sich Ideen für die Zeit holen, in der sie sich selbst Gedanken über ihre Seminarfacharbeiten machen müssen. Es sei der Versuch, neue Wege zu gehen, sagen Marla Schmidt und Lukas Nettelmann. Die 17-Jährige und der 19-Jährige gehören zum Organisationsteam, das mit den ersten Planungen kurz nach Beginn des Schuljahres begonnen hatte. Die eigentliche Messe auf die Beine zu stellen, hat rund vier Wochen gedauert.

„Die Idee dazu hatten unsere Lehrer“, sagt Marla Schmidt, „die Arbeiten gingen sonst immer unter“. Vorgabe ist eigentlich, dass die Projekte im zweiten Schulhalbjahr über die Bühne gehen. Doch das lässt sich nicht immer einhalten, etwa bei „Advent in der Sprachlernklasse“. Während das Gedenken an die Geburt Jesu gewöhnlich erst Ende November oder Anfang Dezember beginnt, sind die jungen Frauen eher gefordert gewesen.

Die meisten Kinder seien aus Bosnien, Serbien und Montenegro gewesen, erläutern sie ihre Auseinandersetzung mit dem deutschen Asylrecht. Diese Länder gelten als sichere Herkunftsstaaten. Deshalb habe die Gefahr bestanden, dass die Kinder mit ihren Familien zum Jahresende abgeschoben werden. Hinzu kam, dass die Kinder unterschiedlich gut die deutsche Sprache gesprochen hätten. Eines sei für alle Mädchen und Jungen gleich gewesen, sagt Marie Pillnick: „Für sie ist Schule etwas Besonderes!“

Ähnlich ist es den drei jungen Frauen gleich neben dem adventlich geschmückten Stand ergangen. „Wie ist es, ein Flüchtlingskind zu sein“, hieß ihre Unterrichtsstunde an der Dreienkampschule. Dass Kinder aus Schwanewede einerseits und ihre Altersgenossen aus Kriegsgebieten wie Syrien andererseits völlig unterschiedliche Wünsche haben, ist eine der sicherlich prägenden Erfahrungen des Projekts. „Die Flüchtlingskinder sind immer noch ein bisschen außen vor“, berichtet eine der Schülerinnen. Sie stünden zum Beispiel während der Pause etwas abseits.

Dies zu ändern, haben die jungen Frauen mit dem Spiel „Ich packe meinen Koffer“ versucht. Jedes Kind durfte erzählen, was es am liebsten in seinen Koffer hineinlegen möchte. In der ersten Runde seien es solche Dinge wie die Spielekonsole oder das Haustier gewesen. In der zweiten Runde wurde es tief greifender. Dann, berichten die jungen Frauen, hätten die Kinder beispielsweise die Familie genannt.

Ortswechsel: Nachdenklich hören einige Schüler den Schilderungen zu, die gerade von der Leinwand kommen. Die jungen Leute haben sich mit dem Schicksal eines jungen Italieners befasst. Er war während des Zweiten Weltkriegs im Lager „Heidkamp“ in Schwanewede interniert. Es gehörte zu den Zwangslagern im Zusammenhang mit dem Bau der U-Boot-Werft in Farge. Das Projekt ist besser bekannt als Bunker „Valentin“ und seit vergangenem Jahr ein Denkort. Die Schüler waren vor Ort und haben die Geschichte des Italieners erkundet und welche Rolle Schwanewede dabei spielte.

Im Nebenraum läuft ein weiterer Film. Mit ihm haben die Waldschüler das Projekt „Run for help“ dokumentiert. Im September vergangenen Jahres waren Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene in Bewegung und sammelten insgesamt 50 000 Euro für den Verein Afghanistanschulen und für Bildungsprojekte in Schwanewede. Die Schüler schauen sich das Produkt der Abiturienten an. Sie lachen über sich und ihre Freunde. „Der Film ist auch im Internet zu sehen“, sagt Messe-Mitorganisatorin Marla Schmidt.

Ein anderes Projekt heißt „Abi-Links“. Pfiffige Abiturienten haben eine Internetseite speziell für anstehende Abiturklausuren programmiert. Auf der Seite finden sich neben den Themen für die Klausuren auch Hinweise und Verbindungen, sogenannte Links, zu Literatur und anderen Vorbereitungsmaterialien.

„Advent in der Sprachlernklasse“: Die Waldschülerinnen Jessica Bunk (von links) und Julia Wichels präsentieren das Ergebnis ihrer Seminarfacharbeit. FOTO: CHRISTIAN KOSAK

 © Die Norddeutsche, 05.03.2016