Die Waldschule Schwanewede - die Kooperative Gesamtschule

Weimar - Die Stadt, die immer schläft

Das Gegenteil von New York City, dem Ballermann und die offensichtliche Hölle für extrovertierte Teenager? Warum der Wochenendtrip nach Weimar, aber doch ganz schön war….

Klar, das verstehe ich vollkommen, ein Wochenendtrip nach Weimar im November, da gibt es Sachen, die mich mehr meine Ohren spitzen lassen und bei den ich tausendmal gespannter bin, aber auch Weimar hat eine Chance verdient. Zu den Themen in der Oberstufe gehört nun mal die Weimarer Klassik und wo erfährt man am Besten etwas über diese Epoche und unseren lieben Goethe, wenn nicht dort.

Um ehrlich zu sein, waren ich und (laut meiner Auffassung) auch meine Reisegruppe, die aus knapp 20 Mann aus den beiden Deutsch-Leistungskursen unserer Oberstufe bestand, nach der fünfstündigen Anreise mental und körperlich wie erschlagen. Naja, die Hügel, ja fast schon Berge und Druckausgleiche sind natürlich ungewohnt für uns, hier oben im Norden, wo man praktisch die 30 Kilometer in die Bremer Innenstadt reingucken kann. Mit der Idee, sofort in unser Bett zu fallen, sobald wir in der Jugendherberge angekommen sind, konnten wir uns dann doch motivieren. Die eben angesprochenen Hügel wurden von uns aber fälschlicherweise erneut unterschätzt. Über meinen Koffer und die Menge an Steinen in meiner Tasche hätte ich dann doch nochmal nachgedacht, denn die Hügel wurden zu benachbarten Bergen des Mount Everest, welche wir zu erklimmen hatten. Wir waren platt, aber angekommen. Die Nacht auf Samstag hat also jeder schlafen können, egal wie kurz, schmal oder hart das Bett war. Wir konnten auch nur schlafen, denn in Weimar ist - absolut und ausdrücklich - nichts los! Wir waren ja aber auch für was Anderes hier.

Samstag; das hieß Programmtag. Goethe-Museum und Anna Amalia Bibliothek standen auf dem Zettel. Wer Goethe ist, sollte jeder wissen, zu Anna Amalia komme ich gleich. Johann Wolfgang von Goethes Anwesen, sehr unscheinbar von vorne, war einfach nur atemberaubend. Mit offenem Mund ging ich die Treppen hoch, die so flach und breit waren, dass sie sich allein über drei ganze Räume streckten. Goethe wollte sich wie ein Kaiser fühlen, jedes Mal beim Hochlaufen dieser Stufen. Das restliche Haus war ebenfalls luxuriös bis ins kleinste Detail. Ich kann mir vorstellen, dieses Haus um die damalige Zeit zu bewohnen war angenehm. Es sei ihm aber gegönnt, denn seine Familie erlitt echt schwere Schicksalsschläge, er überlebte seine Frau, genauso wie seinen Sohn und blieb trotzdem so eine inspirierende Persönlichkeit. Apropos inspirierende und starke Persönlichkeiten: Anna Amalia war die damalige Alice Schwarzer, ohne überhaupt Wert darauf zu legen. Ihr Mann, der damalige Herzog Ernst August II. von Sachsen-Weimar, wurde krank, musste also schnell heiraten und einen Sohn in die Welt setzen. Er heiratete die damals siebzehnjährige Anna Amalia, welche dann mit 19 Jahren, zwei kleinen Kindern und verwitwet, die Regierung übernahm. Sie förderte Kunst und Kultur und war der Auslöser für den kommenden kulturellen Aufschwung Weimars. Nur durch sie kam Goethe überhaupt erst in die Stadt, die eigentlich im toten Winkel des Landes lag. Und was Goethe alles ins Rollen gebracht hat, dafür ist dieser Artikel leider zu kurz. Von Anna Amalia war ich nachhaltig beeindruckt. Stark muss man auf alle Fälle sein, wenn man 1759 als Herzogin regiert und zahlreiche Reformansätze, durchzusetzen versucht. Nicht schlecht, ich ziehe meinen Hut. Die von uns besichtigte Bibliothek war genauso zum Staunen wie Anna Amalias Geschichte. Dass sie als Kunstliebhaberin eine für jeden zugängliche Bücherei eröffnete, passt absolut in ihren Regierungsstil und in den Plan, Weimar kulturell zu fördern.

Weimar ist, unabhängig von seiner Geschichte, eine wunderschöne Stadt. Sonntagmorgens bei Sonnenschein durch die Stadt und den Park zu flanieren, ist ein Traum. Dabei noch interessante Fakten über Weimar zu hören, wie es in unserem Fall war; war definitiv ein schöner Abschluss.

Am Ende des Tags kann ich aber sagen, dass unsere Tour wirklich schön und interessant war. Und damit meine ich auch nicht dieses provisorische „interessant“, das man nur sagt, um keinen zu verletzen, sondern wirklich informativ und lehrreich. Zwar ist in Weimar immer noch nichts los, dafür konnte ich Mama die ganze Rückfahrt mit der kompletten Weimarer Geschichte volltexten, bis mein Mund fusselig war. Und wenn ich niemals schlafen will, fahre ich eben nach New York!

Text: Johanna Röcker, Q1

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